Baufachzeitung

23.11.2017

Treppe aus American White Oak im Renaissance Hof van Busleyden

Der Kontrast zwischen schlichten, weißen Wand- und Deckenflächen und den mit American White Oak bekleideten Oberflächen lässt die monumentale Treppe leichte und elegant erscheinen
Hof van Busleyden ist eines der schönsten Gebäude der flämischen Stadt Mechelen
Die Holzarbeiten rund um Treppenhaus, Stufen und Treppenabsätze wurden in 22 Millimeter dicken Leisten aus American White Oak ausgeführt
Die Holzarbeiten rund um Treppenhaus, Stufen und Treppenabsätze wurden in 22 Millimeter dicken Leisten aus American White Oak ausgeführt

Hof van Busleyden ist eines der schönsten Gebäude der flämischen Stadt Mechelen. Das herrschaftliche Bürgerhaus mit seiner schmucken Ziegelfassade wurde im 16. Jahrhundert von Hiëronymus van Busleyden in Auftrag gegeben, einem Zeitgenossen Erasmus von Rotterdams. Seit 1938 beherbergt der repräsentative Bau das Städtische Museum. 2009 startete dessen Renovierung mit dem Ziel, die Ausstellungsfläche des Museums zu vergrößern, gleichzeitig aber möglichst wenig in die Gebäudesubstanz einzugreifen. Im Innern des Gebäudes bereichert nun nach der ersten Umbauphase eine Treppenskulptur aus Amerikanischer Weisseiche die alten Renaissance-Räume und beweist eindrücklich die Schönheit dieses robusten Holzes für dessen Qualität AHEC, der American Hardwood Export Council, eintritt.

„Absence of Architects“ nennt das mit der Planung betraute, Architekturbüro dmvA ihr Konzept der sanften Museumsrevitalisierung. Doch tatsächlich sind es oft gerade die auf den ersten Blick unspektakulären Modernisierungen, die Architekten und Planern besonderes Können abverlangen. Von außen unsichtbar, offenbaren sich dem Besucher Neuerungen im Hof van Busleyden erst nach Betreten der Empfangshalle. Eine skulpturale Treppe weist den Weg zur Kunst: Nach oben in die Räume des Altbaus, nach unten in eine weitläufige Ausstellungshalle, welche die Architekten im Erdreich unter dem großen Innenhof „versteckten“. Der Kontrast zwischen schlichten weißen und mit American White Oak bekleideten Bauteilen macht die Treppe leicht und elegant. So ist der Treppenlauf ins Obergeschoss ganz in Weiß gehalten, während die Treppenunterseite und die Treppenwangen mit einer Eichen-Täfelung bekleidet sind. Der Treppenlauf in die unterirdischen Räume wurde hingegen, einschließlich der Böden und Decken des Treppenpodests, vollständig mit American White Oak ausgestattet. Hier schafft der warme Eiche-Holzton eine homogene, ruhige Atmosphäre – unterbrochen nur vom Weiß des Treppengeländers und der Handläufe, die sich wie grafische Linien durchs Bild ziehen. Die Handläufe sind bündig in die Verkleidung eingepasst und belassen Holzoberfläche optisch ruhig.

„Gegenüber den weißen Wandflächen wirken die Holzelemente wie ein fotografisches Positiv und umgekehrt“, erklären die verantwortlichen Architekten David Driesen von dmvA und Hans Le Compte von HLCr ihre Entwurfsidee. Die Piktogramme des Wegeleitsystems wurden auf jeder Etage in die Holzverkleidung geprägt und weiß gestrichen. Damit erfasst der Holzton-Weiß-Kontrast auch kleine Details.

Die Holzarbeiten rund um Treppenhaus, Stufen und Treppenabsätze wurden in 22 Millimeter starken Leisten aus American White Oak ausgeführt – mit äußerster Präzision von CNC-Maschinen zugeschnitten. Vertikale Leisten und Fugen verlaufen auf jeder Ebene des Treppenhauses nahtlos von oben nach unten. Um die Brandschutz-Bestimmungen zu erfüllen, wurde das Eichenholz mit einer feuerbeständigen Versiegelung vakuumimprägniert. Eine aufgebrachte natürliche Wachsschicht macht sie besonders glatt. Auch verstärkt der Verzicht auf Sockelleisten den Eindruck der geschmeidigen, fugenlosen Oberfläche.

Am Fuß der Treppe angekommen, erreicht der Besucher die neue Ausstellungshalle mit einer Deckenhöhe von sechs Metern und einer Gesamtfläche von 620 Quadratmetern. Mit seinen präzise gearbeiteten Sichtbetonwänden ist der beeindruckende Raum ein reizvolles Pendant zur holzvertäfelten Treppe. Um die unterirdische Fläche effektiv belüften und beheizen zu können, wurden hochmoderne Komponenten für Heizung, Lüftung und Klimatechnik eingebaut. Die Luftabsaugung verschwindet hinter den Sichtbetonwänden, um eine möglichst lautlose Inbetriebnahme zu gewährleisten und gleichzeitig die strengen Brandschutzbestimmungen einhalten zu können. Die Deckenbeleuchtung wurde raffiniert in die wellenförmig angeordneten Abluftschächte integriert.

Und wer sich fragt, was die weißen Linien auf dem Betonfußboden bedeuten: Sie sind eine Reverenz an die ersten Versuche perspektivischen Zeichnens, die erstmals während der Renaissance – in der das Gebäude entstand – unternommen wurden. Wer sehen will, entdeckt also so manche gestalterische Überlegung, die in die geschmackvolle und stimmige Modernisierung des Museums Hof van Busleyden eingeflossen ist.

American Hardwood Export Council (AHEC), www.americanhardwood.org

Bauherr: Stadt Mechelen
Projekt: Neue Ausstellungshalle: 620 m2, Eingang und Empfangsbereich: 265 m²
Architekturbüros: dmvA architects und HLCr architects
Projektarchitekten: David Driesen und Hans Le Compte
Generalunternehmer: Willemen General Contractor
Statik: BAS
Haustechnik: IRS Depré
Innenausbau (Treppe): Rudy de Keyser
Fläche / Kubatur: Bruttofläche: 1.800 m2, Volumen: 9.700 m3

Fotograf: Frederik Vercruysse

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