Baufachzeitung

20.10.2017

Baustoffe + Bauchemie

Berliner Baulücke

Ein skulpturaler Bau mit großen, teils schräggestellten Glasfassaden reflektiert im Berliner Samariterviertel Himmel und Nachbarschaft in verschiedenen Farben. Wände aus Heidelberger Kalksandstein sorgen im städtischen Quartier für eine ruhige und wohnliche Atmosphäre. Bildquelle: Heidelberger Kalksandstein GmbH / Hastrich Keuthage Architekten / Stefan Dauth
Bodentiefe Fenster lassen Licht durch alle Räume fluten. Bildquelle: Heidelberger Kalksandstein GmbH / Hastrich Keuthage Architekten / Stefan Dauth

Wohnungen sind rar in Berlin, zentral gelegene Bauplätze sind begehrt und werden knapper. Damit auf einem schwierigen Grundstück ein bemerkenswerter Wohnbau entstehen kann, müssen Architekten immer wieder von Neuem ihre kreativen Fähigkeiten ausspielen. In Friedrichshain erforderte eine Baulücke mit einer 80 Meter langen Straßenfront und einer rückseitig verlaufenden Bahntrasse für die vorgesehenen 132 Wohnungen einen besonders ausgefeilten Entwurf.

HKA Hastrich Keuthage Architekten entwickelten für das Projekt „PolygonGarden“ zur Straße hin eine lange Glasfassade, deren Faltung eine interessant belebte Straßensilhouette erzeugt. Die geschosshohe Verglasung bietet den Bewohnern großzügige Erker und jeweils voneinander getrennte Balkone, mit teilweise verschiebbaren Paneelen für den Sicht- und Sonnenschutz. Durchdachte Grundrisse mit geringem Anteil an Verkehrsfläche schaffen ein großzügiges Wohngefühl. Dabei erfüllen schlanke Kalksandsteinwände auch bei dichter Bebauung die Vorgaben an den Lärmschutz und damit an eine ungestörte Privatsphäre innerhalb der Wohneinheiten. Um die Bahngleise vom Grundstück abzuschirmen, orientierten die Architekten besonders die Seitenflügel und das Hinterhaus zu einem 1.500 Quadratmeter umfassenden Garten im Innenhof.

Die großzügige Freifläche bietet den rückliegenden Wohnungen weite Blicke ins ruhige Grün und eine hohe Aufenthaltsqualität im halböffentlichen Raum. Außerdem liegt unter dem Hof die Tief- und Fahrradgarage, letztere, weil immer mehr der solventen Bewohner zwischen 30 und 40 im Alltag auf das Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

Bemerkenswerte Wohnbauten seien, wie Architekturkritiker Falk Jaeger es formulierte, in der Hauptstadt in den Seitenstraßen zu finden. Wer abseits der gleichförmigen Fassaden des Berliner Mainstreams interessante Architektur sucht, entdeckt Bauten von Projektentwicklern, die anspruchsvolles urbanes Wohnen ernst nehmen und einen hohen gestalterischen Anspruch mit Bauqualität bis ins Detail verbinden. Geschäftsführer des Berliner Unternehmens Archigon, das die Wohnanlage im Samariterviertel errichten ließ, ist Gunther Hastrich, der in Personalunion Partner im Büro HKA Hastrich Keuthage Architekten ist und die Projektentwicklung und Baubetreuung von PolygonGarden verantwortete. „Der Name ‚PolygonGarden‘ beschreibt das Besondere und Unverwechselbare unseres Projektes, denn durch die Faltung der Fassaden entstehen zahlreiche polygonale Flächen innerhalb des Gebäudes und besonders auch in dem großen Garten des Innenhofes“, erläutert er. „Die scharfkantigen und präzise gefügten Betonfertigteile unterstreichen diesen Charakter. Die Architektur steht selbstbewusst im Kontrast zur Gründerzeitbebauung der Umgebung.“ So überzeugt das Projekt neben seiner Architektursprache auch durch seine nachhaltige Bauweise, die etwa Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung, Fernwärmenutzung mit Kraft-Wärme-Kopplung oder Biotopflächen auf dem Dach mit einschließt. Nach Vorgabe von Projektentwickler und Architekten übernahm die BAM Deutschland AG als Generalunternehmer die schlüsselfertige Ausführung des Wohnungsbaus. Aufgrund der statischen Überlegungen der Tragwerksplaner ließen sie das Betonskelett der vier Bauten ab den Obergeschossen mit Kalksandstein ausfachen.

In den Kellerräumen und der Tiefgarage blieben gemauerte Kalksandsteinwände als Sichtmauerwerk unverputzt. In den meisten Wandbereichen bot sich das großformatige Bausystem KS-QUADRO an, mit dem schlanke Trennwände effektiv gemauert werden können. Jeder dieser großformatigen Steine mit Nut und Feder, die hier für Wände mit erhöhten Schallschutzanforderungen eingebaut wurden, wiegt über 100 Kilogramm. Ein Quadratmeter eines Mauerabschnitts hat so bereits ein sehr enormes Gewicht. Gemauert wurden die Steine mit einem Versetzkran. Der Einsatz von Mauertechnik entlastet die Maurer im Arbeitsalltag von schwerer körperlicher Arbeit. Auch die Bereitstellung verschiedener Ergänzungsformate, wie etwa Kimmsteine, erleichterte den Aufbau. BAM-Bauleiter Peter Lüttkopf erhielt vom Heidelberger Kalksandsteinwerk in Herzfelde eine Baustelleneinweisung und speziell auf das Projekt zugeschnittene Wandverlegepläne, die den exakten Schichtenaufbau mit dem Versatz der Fugen abbildeten. Diese Serviceleistung des Unternehmens unterstützte die Bauarbeiter beim korrekten Wandaufbau. Insgesamt steigert sie die Effizienz der Verlegung und macht es außerdem leichter, die Anlieferung der jeweils benötigten Kalksandsteine zu terminieren.

Objektsteckbrief
Projekt: PolygonGarden, Wohnbau, Berlin, Samariterviertel
Bauherr: Archigon Projektentwicklung und Baubetreuung GmbH, Berlin
Architekten: HKA Hastrich Keuthage Architekten, Berlin
Tragwerksplaner: HEG Beratende Ingenieure, Berlin GmbH
Generalunternehmer: BAM Deutschland AG
Bauprodukt: KS-QUADRO, großformatiges Bausystem für insgesamt 5.850 m² Wandfläche, von der Heidelberger Kalksandstein GmbH
Serviceleistung: Wandverlegepläne für 3.250 m² KSQUADRO
Keller und Tiefgarage: kleinformatige Industriesichtsteine für Wanddicken von 11,5 und 17,5 cm
Wohngeschosse: KS-QUADRO in den Wanddicken 15, 17,5, 20 und 24 cm,
RDK (Rohdichteklasse) 2,0
Wände mit erhöhten Schallschutzanforderungen ab 17,5 cm Wanddicke
KS-QUADRO der RDK (Rohdichteklasse) 2,2
Energiestandard: KfW-Effizienzhaus 55
Raumprogramm: 132 Wohnungen und 6 Gewerbeeinheiten

www.heidelberger-kalksandstein.de

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