Baufachzeitung

21.10.2017

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Die grüne Seite des Kö-Bogen

Bild: Michael Jarmusch / ZinCo

Im Herzen der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf prägt die extravagante Einzelhandels- und Büroimmobilie Kö-Bogen das Stadtbild. Herausragend nicht nur das von Daniel Libeskind entworfene innovative Design des sechsgeschossigen Gebäudekomplexes, sondern auch die Auszeichnung mit dem LEED-Platin-Zertifikat für nachhaltiges Bauen. Zur Grünplanung gehören rund 4000 m² extensive Dachbegrünung in 26 m Höhe, etwa 1500 m² Dachgartengestaltung der Innenhöfe im dritten und vierten Geschoss und 1200 m² Plattenbelag des über der Tiefgarage gelegenen ebenerdigen Vorplatzes. Grün hat sich auch in den bizarren Fassadeneinschnitten seinen Platz erobert – damit holen diese „Cuts“ den angrenzenden Hofgarten in das Gebäude. All diese Gestaltungen gelingen dank passender ZinCo-Dachbegrünungstechnik.

Der heutige Eigentümer Art-Invest Real Estate, Köln/Düsseldorf, hat mit dem Kö-Bogen eine prestigeträchtige Immobilie von dem zuständigen Projektentwickler „die developer“ Projektentwicklung GmbH in den Bestand übernommen. Drei Ebenen Shoppingwelt samt Gastronomie, drei Büroetagen sowie drei Ebenen Tiefgarage machen das moderne und hochfunktionale Gebäude-Ensemble aus.
Der Name Kö-Bogen leitet sich im Übrigen ab von dem Bogen, den ein am Rande des Hofgartens verlaufender Straßenzug in Richtung Königsallee, der Kö, beschreibt. Die beiden über eine Brücke verbundenen Baukörper nehmen im Norden genau diese Kontur des Hofgartens auf und folgen im Westen der Fluchtlinie der Königsallee. Nach Süden und Osten offenbart der Gebäudekomplex eine wellenförmig geschwungene Silhouette. Der Durchgang zwischen den Baukörpern ermöglicht den direkten Übergang in die Ruhezonen des Hofgartens und des Wasserplatzes Landskrone.

Bild: Michael Jarmusch / ZinCo

Daniel Libeskinds Architektur
Neben der besonderen Gebäudeform spricht auch die Fassade aus Glas, weißem Naturstein und den begrünten, diagonalen „Cuts“ ihre ganz eigene Sprache. Dazu gesellen sich modern gestaltete Dachgärten mit Pflanzbeeten inmitten gemusterter Plattenbeläge sowie die in die Weite fließende Gründachfläche obenauf.
„Im Gegensatz zur landläufigen Meinung sind Bauwerke keineswegs leblose Objekte. Sie leben und atmen und besitzen genau wie wir Menschen ein Inneres und Äußeres, einen Körper und eine Seele“, so die Philosophie des Architekten Daniel Libeskind. Die Tätigkeit des New Yorkers erstreckt sich weltweit von Museen über Kongresszentren, Universitäten, Hotels, Shopping Malls bis zu Wohnprojekten. Die Entwürfe zeichnen sich aus durch die Vorstellung von einer eigenen Identität der Bauwerke im kulturellen Kontext.

Bild: Michael Jarmusch / ZinCo

Genau angepasst
Nutzbare Freifläche zur Errichtung des Kö-Bogen entstand durch die Verlegung der Verkehrswege von Straßenbahn und Auto unter die Erde. Da Tunnelbauten, Rückbau der früheren Hochstraße „Tausendfüßler“ und die Neugestaltung einer Fußgängerpromenade in den ersten Bauabschnitten zeitgleich mit dem Bau des Hochbauprojektes Kö-Bogen einherging, stellten sich den Ausführungsbetrieben anspruchsvolle Aufgaben allein was die Logistik anbelangt.
Grundlage auf allen Dachflächen des Kö-Bogen ist eine bereits wurzelfest ausgebildete bituminöse Dachabdichtung, sei es auf dem „Warmdach“ der Gebäude- und Innenhofdächer oder sei es auf dem „Umkehrdach“ der Tiefgarage, bei welchem die Dachabdichtung geschützt unterhalb der Wärmedämmung liegt. ZinCo bot für die gewünschten Nutzungsvarianten am Kö-Bogen von Extensiv- über Intensivbegrünung bis zu den Geh- und Fahrbelägen auf dem Vorplatz passgenaue, objektgerechte Lösungen.

Weite Grünfläche
Auf der rund 4000 m² großen extensiv zu begrünenden Dachfläche des Gebäudekomplexes kam als Kernstück im Begrünungsaufbau das Drän- und Wasserspeicherelement Floraset FS 50 zum Einsatz. Diese Elemente aus expandiertem Polystyrol-Hartschaum (EPS) eignen sich insbesondere für solch große Dachflächen mit geringstem Gefälle und langen Entwässerungsstrecken, auf denen mit Pfützenbildung zu rechnen ist. Durch den Einbau der 5 cm hohen Elemente mit ihrem unterseitigen, durchgehenden Kanalsystem wird der notwendige Abstand zum stehenden Wasser sichergestellt. Oberseitig sorgen Wasserspeichermulden für pflanzengerechten Wasservorrat und Öffnungen gewährleisten Diffusion sowie Belüftung. Aufgrund des geringen Gewichts der Floraset FS 50-Elemente ist Transport und Handhabung auf der Baustelle „ein Leichtes“. Auf die Dränschicht folgte die Verlegung des Systemfilters SF sowie 8-10 cm Substrat. Aufgrund des Windsogs in 26 m Höhe kamen im Dachrandbereich vorkultivierte Vegetationsmatten zum Einsatz, während in der Fläche Sedumsprossen ausgesät wurden. Schon ein Jahr nach Aussaat ist auch hier Flächendeckung erzielt, wie die aktuellen Bilder belegen.

Bild: Michael Jarmusch / ZinCo

Kunstwerk mit Platten und Pflanzen
Die 1500 m² Intensivbegrünung der beiden Innenhofdächer stellt jedes für sich ein Kunstwerk dar, mit linienförmigen Belagsmustern aus großformatig hellen Platten und dunkelgrauem Pflaster sowie einer ganzen Vielzahl dazwischen angeordneten, eingefassten Pflanzbeete in unterschiedlichsten Größen, Höhen und geometrischen Formen.
Dauerhaft sichere Basis für die stilvolle Gestaltung ist hier das Drän- und Wasserspeicherelement Fixodrive FX 50 von ZinCo. Da es sich um eine bereits vlieskaschierte Rollenware handelt, ist eine schnelle Verlegung garantiert. Einrastende Verbindungsnoppen an den Längsseiten lassen einen flächigen Verbund entstehen, der die durchgängige Dränage unter Grün- und Belagsflächen gewährleistet. Für diese einzigartigen Dachgärten mit einer Bepflanzung aus heimischen Gräsern, Farnen, Stauden, Sträuchern und Kleinbäumen hat der Düsseldorfer Landschaftsarchitekt Sebastian Fürst mit Daniel Libeskind zusammen gearbeitet – gleichsam wie für die Begrünung der „Cuts“, der fünf diagonalen Fassadeneinschnitte.

Schwebende Gärten in den „Cuts“
Die „Cuts“ befinden sich auf der Nord- und Westseite des Gebäudes und verlaufen über mehrere Etagen. In den fünf Meter breiten und zwei Meter tiefen „Cuts“ gibt es wiederum mehrere schräg verlaufende Ebenen. Dauerhaftes Wachstum der immergrünen und sehr robust gewählten Bepflanzung gewähren das Drän- und Wasserspeicherelement Fixodrain XD 20 in Kombination mit unterschiedlichen Substrathöhen, unterirdische Verankerung der Sträucher zum Erosions- und Sogschutz, automatische Bewässerung, Düngung, Beheizung sowie Beleuchtung.

Bild: Michael Jarmusch / ZinCo

Fußgängerzone und Lieferverkehr am Vorplatz
Rund 1200 m² Vorplatz stellen in Wirklichkeit auch Dachfläche dar, weil sich dieser über der Tiefgarage befindet. Da hier nicht nur Fußgänger frequentieren, sondern auch Fahrzeuge wie Lieferverkehr und Feuerwehr, war der Belagsaufbau auf diese Belastung auszulegen. Das äußerst druckstabile Drän- und Wasserspeicherelement Stabilodrain SD 30 ist gerade auf Umkehrdächern das Richtige unter Fahrbelägen: es ist dampfdiffusionsoffen und lässt so die Feuchtigkeit ausdiffundieren.

Ausgezeichnet mit MIPIM Award und LEED Platinum
Im März 2014 ist der Kö-Bogen mit dem renommierten MIPIM Award in der Kategorie „Bestes Stadterneuerungsprojekt“ in Cannes ausgezeichnet worden. Dieser Preis wird als „Oscar der Immobilienbranche“ bezeichnet. Ein halbes Jahr später erzielte das Gebäude die Zertifizierung nach dem amerikanischen System „Leadership in Energy and Environmental Design“, kurz LEED, und zwar in der höchsten Zertifizierungsstufe, LEED Platinum. Dieser international anerkannte Nachhaltigkeitsstandard wird durch das US Green Building Council verliehen. Ausschlaggebend waren unter anderem die Aspekte ressourcenschonendes Bauen, die Nutzung erneuerbarer Energien sowie Wärmerückgewinnung und auch der begrünte Flächenanteil von 47%. Gerade die Extensivbegrünung bietet große Versickerungsfläche und damit hohen Wasserrückhalt.
Der Kö-Bogen ist prestigeträchtiges Vorbild und erster Meilenstein für die weiteren Maßnahmen, mit denen zwischen Schauspielhaus, Dreischeibenhaus, Hofgarten und Johanneskirche eine neue, moderne Urbanität in die Mitte von Düsseldorf gebracht wird.


ZinCo GmbH, www.zinco.de, www.zinco-greenroof.com

 Bilder: Michael Jarmusch / ZinCo

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