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23.08.2017

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Fassade Baufachzeitung

Flexible, schaumstoffbasierte Abstandhaltersysteme in der Fassade

GLASSOLUTIONS – Saint-Gobain Deutsche Glas GmbH Fotos: Olaf Rohl Architekt: Studio Daniel Libeskind, New York City Projektentwickler: die developer Projektentwicklung GmbH, Düsseldorf
Kiemenförmige Luken an der Fassade der Elbphilharmonie in Hamburg. Bild: Rolf Mauer
Glastüren und -fenster der Sheikh Zahed Moschee, Abu Dhabi

Nach fünf Jahren Produktion in Heinsberg zieht Joachim Stoß, seit 2013 als Edgetech-Geschäftsführer im Amt, eine durchweg positive Bilanz. „Als wir mit einer eigenen Fertigung nach Deutschland gekommen sind, lagen Super Spacer im Trend, heute sind wir die Trendsetter beim Thema Warme Kante“, erklärt Stoß, was auch die Zahlen eindrucksvoll belegen. Der jährliche, weltweite Output aller drei Produktionswerke beträgt im Schnitt mehr als 300 Millionen Meter, gemessen am Umsatz ist Edgetech gemeinsam mit der Mutterfirma Quanex weltgrößter Hersteller von Abstandhaltern. Zahlreiche große Isolierglashersteller rüsteten ihre Fertigung mit automatischen Anlagen zur Spacer-Applikation auf. Den rasanten Erfolg führt Stoß auf zwei Hauptfaktoren zurück: größtmögliche Wirtschaftlichkeit bei der Herstellung der Isolierglaseinheiten sowie die hochpräzise manuelle und automatische Verarbeitung, die auch die anspruchsvollsten Anforderungen an Energieeffizienz, Optik, Formgebung und Lebensdauer erfüllt.

Gebogene Fassadengläser für den Düsseldorfer Kö-Bogen
Die hohe Kunst in Fassadenbau und Glasverarbeitung sind gebogene Glaselemente. Die aufsehenerregenden konkav und konvex gewölbten Fassaden aus Naturstein und Glas des Düsseldorfer Kö-Bogens waren ein Black Box-Projekt für Glasverarbeiter und Fassadenkonstrukteur – in diesem Fall Döring Glas aus Berlin und die Lindner Group aus Arnstorf. Nach einem aufwändigen Entwicklungsprozess mit zahlreichen Testläufen stand eine technische Lösung, die sowohl in architektonischer als auch in bauphysikalischer Hinsicht alle Beteiligten zufriedenstellte. Welche Bedeutung der Abstandhalter bei einem Projekt dieser Größenordnung hat – fast 15.000 m2 Fassadenfläche, davon alleine rund 2.200 m2 in Sonderanfertigung gebogenes und geknicktes Glas umhüllen die Gebäude – erläutert der Technikspezialist der Heinsberger, Christoph Rubel: „Die Glaselemente wurden sowohl innen als auch außen verklebt, wobei die äußere Verklebung als mechanische Sicherung fungiert. Geklebte Glasverbindungen erfordern eine UV-stabile, gasdichte Silikonversiegelung. Wir haben mit unserem Super Spacer T-SpacerTM Premium Plus wiederholt die Konformitätstests nach EN 1279 mit gängigen Isolierglassilikonen bestanden. Daher erfüllen wir auch strengste Kriterien für die Verarbeitung in strukturellen Isolierglaselementen. 2.200 m² Isoliergläser in unterschiedlichen Radien und Elementbreiten von 2,70 Metern und Höhen von bis zu 5,60 Metern wurden für Düsseldorf gefertigt. Das bewältigt man als Glasverarbeiter nur mit einem flexiblen Abstandhalter, der sich jeder erdenklichen Glasform anpasst und auf einer automatischen Linie millimetergenau positioniert werden kann, um die Parallelität der Scheiben zu gewährleisten.“

Kiemenförmige Luken für die Elbphilharmonie
Beinahe identische Vorteile brachten Super Spacer Abstandhalter auch für die einzigartige Fassadenkonstruktion der Elbphilharmonie in der Hamburger Hafencity mit. Die renommierten Schweizer Architekten Herzog & deMeuron hatten sich den Konzertsaal mit angeschlossenem Hotel und Apartmentbereich „geschlitzt, modelliert und aufgeschnitten“ vorgestellt, um zwischen Innen und Außen eine Verbindung zu schaffen. So finden sich im Isolierfassadenbereich vor dem Hotel kiemenförmige Luken. Sie entstehen durch eine gewölbte Seitenkante jeweils im direkten Anschluss an ein planes Isolierglaselement. Lüftungsflügel schließen diese Laibungsflächen ab und ermöglichen den Hotelgästen, Gerüche und Geräusche des Hafens aufzunehmen. Fast 2.200 Fassadeneinheiten wurden insgesamt bei dem Projekt verbaut. Die sphärisch gebogenen Isolierglas-Fassadenelemente, die sich vor allem im Hotel- und Backstagebereich finden, sind mit flexiblen Super Spacer TriSealTM Premium Plus gefertigt. Aufgrund ihrer exponierten Lage muss die Fassade auch stärksten Orkanböen standhalten. Beim Gundelfinger Fassadenspezialisten Gartner durchliefen die Glaselemente daher aufwändige Härtetests. Windstärken von 150 Stundenkilometern brachten einen Druck von mehr als 600 Pascal auf die Scheiben, die darüber hinaus einem Starkregen von zwei Litern pro Minute und Quadratmeter sowie Pendelschlagversuchen widerstehen mussten. Dass sie noch größeren Belastungen problemlos standhalten, haben Super Spacer TriSeal™ in einem Hurricane-Simulator bei einer Windgeschwindigkeit von 350 Stundenkilometern unter positivem Druck sowie bei einer Windgeschwindigkeit von 395 Stundenkilometern unter Saugwirkung bewiesen. Christoph Rubel zu den Gründen: „Bei einem Fenster mit einem rigiden Abstandhalter bildet dieser ab einer bestimmten Druckbelastung eine scharfe Kante im Randverbund, an der das Glas brechen kann. Ein flexibler Abstandhalter macht auch den Randverbund flexibel, so dass Bruchgefahr an dieser Stelle nicht mehr gegeben ist.

Freie Formen für die Sheikh Zayed Moschee
Wenige Jahre nach ihrer Fertigstellung ist die Sheikh Zahed Moschee in Abu Dhabi, eine der größten Moscheen der Welt, bereits eine Sehenswürdigkeit, die täglich Tausende Besucher anlockt. Inspiriert von maurischer, ottomanischer, mamlukischer und indo-islamischer Kultur, ist das Bauwerk nicht nur wegen der Handwerkskunst, sondern auch wegen der schieren Größe beeindruckend: das weltgrößte Marmormosaik im Innenhof, der weltgrößte Teppich aus dem Iran, der weltgrößte Swarovski-Kronleuchter, handgefertigte Iznik-Fliesen, kostbare Pietra-Dura-Mosaike im Innenbereich, Marmor und Blattgold wohin das Auge blickt. „So einen Auftrag bekommt man nur einmal im Leben“, schwärmte Heiner Berizzi, Geschäftsführer von Alubat FZCO in Dubai über die Arbeiten an der Moschee. Rund 5.000 Quadratmeter Glas in 2.500 verschiedenen Formen lieferte und installierte Alubat. Hier wurde eine Größenordnung von Super Spacer verarbeitet, die auch für den Abstandhalter-Spezialisten nicht alltäglich ist. Edgetech-Experten aus Deutschland reisten vor Ort, um bei den aufwändigen Materialtests beratend zur Seite zu stehen. So durfte sich beispielsweise die Aluminiumkonstruktion der 17 Tonnen schweren Glasschiebetüren beim Einbau auf keinen Fall verziehen. Berizzi über die Zusammenarbeit: „Ohne Super Spacer wären die aufwändigen Glaselemente in der Moschee praktisch nicht machbar gewesen. Freiformen können mit rigiden Abstandhaltern nur sehr zeitaufwändig realisiert werden. Bei dieser enormen Anzahl an unterschiedlich geformten Fenstern brauchten wir einen Spacer, der sich flexibel an jede Form anpasst und darüber hinaus für das Klima in Abu Dhabi geeignet ist.“

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