Baufachzeitung

14.12.2017

Hochbau + Rohbau

Campus WU Wien

Campus WU Wien
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Campus WU Wien

Mit seinem „einzigartigen Campus“ will die neue Wirtschaftsuniversität am Wiener Prater „in jeder Hinsicht eine Vorreiterrolle spielen“, der österreichische Wissenschafts- und Forschungsminister Karlheinz Töchterle sprach bei der Eröffnung im Herbst 2013 von einem „international beachteten Juwel“. Rund eine halbe Milliarde Euro hat man in das Prestigeobjekt „Campus WU“ mit rund 90.000 Quadratmetern Nutzfläche für 25.000 Studierende investiert.

NO.MAD Arquitectos (Madrid), CRABstudio (London), Estudio Carme Pinós (Barcelona), Zaha Hadid Architects (Hamburg), Atelier Hitoshi Abe (Sendai) und BUSarchitektur (Wien): Die Namen der Büros, die jeweils einen der sechs Gebäudekomplexe entwarfen, liest sich wie ein Who is Who der zeitgenössischen Architekturszene.

Die irakisch-britische Architektur-Ikone Zaha Hadid beispielsweise, die mit Projekten in New York, Tokio und Paris weltweiten Ruhm erlangte, setzte mit dem zentral positionierten, imposanten „Learning Center“ ein monumentales Ausrufezeichen.

Planung im Kollektiv
„Teaching Center“ nennt sich das multifunktionale Hörsaalzentrum der Uni, für welches das aufsteigende österreichische ArchitektInnen-Kollektiv um Laura P. Spinadel, Bernd Pflüger und Jean Pierre Bolívar verantwortlich zeichnet.

Als hoher, monolithischer Block dominiert „ihr“ Teaching Center den östlichen Eingangsbereich des Campus. Seine Fassade wollten die Planer nachhaltig-recycelbar in „warmer, haptischer“ Optik haben - und wählten dafür wetterfesten Baustahl, Handelsbezeichung Cortenstahl, der durch seine rostige Natur-Patina „glänzt“. In Deutschland gelangte übrigens die Freie Universität Berlin als „Rost- bzw. Silberlaube“ zu spezieller Berühmtheit.

1.200 Quadratmeter Gitterrost-Treppen
Mit dem Werkstoff Metall lösten Bolivar und KollegInnen auch die große Herausforderung „Fluchtwege“. Im Fall der Fälle müssen bis zu 5.000 Personen in kürzester Zeit aus dem Gebäude gebracht werden!

Sie gaben den ausführenden Firmen planerisch vor: Drei außerhalb der Gebäudehülle platzierte Treppenanlagen, die trotz hoher statischer Anforderungen (Tragfähigkeit!) mit enormen Spannweiten konstruktive Leichtigkeit ausstrahlen sollten.

Die Urbas Maschinenfabrik, eine österreichische Partnerfirma der MEA Metal Applications, nahm die Herausforderung der Werkplanung an. So entstanden bis zu sechs Geschosse hohe Stahl-Treppenanlagen mit mächtigen Zwischenpodesten, die sich der zerklüfteten Gebäudeform anpassen.
Das deutsche Herstellerunternehmen MEA lieferte dafür allein 1.200 Quadratmeter feuerverzinkte Stahlgitterroste aus individueller Spezialanfertigung für Tritte und Podeste.

Dabei galt es unter anderem auch, den Architektenwunsch nach einem einheitlich fluchtenden Maschenbild zu erfüllen, was durch den identischen Maschenverlauf aller Gitterroststufen und –Podeste erreicht wurde; wobei die Querstäbe der Stufen und Roste ästhetisch quer zur Gehrichtung liegen. Die speziellen Stufen, Produktname „MEAstep XSL“, mit hoher Tragfähigkeit bei filigraner Optik sind europaweit patentiert.

Skulptural – und gewaltig
Als „Materialpaket in gewaltigen Dimensionen, die millimetergenau passen mussten“, beschreibt Torsten Wende, Geschäftsführer der MEA Metal Applications, die unter anderem ca. 1.300 Stufen und über 700 Einzelroste. „Von der Gesamt- und Detailplanung über Produktion, Logistik und Montage eine Meisterleistung“, kommentiert Paul Treffner, Projektleiter bei Urbas, die gemeinsam erfüllte Aufgabe.

Und hoch zufrieden mit dem Ergebnis zeigt sich am Ende auch Architekt Jean Pierre Bolívar. Er sieht in den „technisch sehr anspruchsvollen, gewaltigen Konstruktionen“ – insgesamt wurden für die Treppenanlagen ca. 330 Tonnen Stahl verbaut – „skulpturale Gebäudeadditive für eine stimmige Gesamtarchitektur“. Wobei er großen Wert auf Ganzheitlichkeit legt, die für ihn mehr ist als das Ergebnis einer integralen Planung. „Holistisch“ nennen er und seine KollegInnen den neuen Ansatz, der letztlich auf dem aristotelischen Gedanken basiert, wonach das Ganze mehr sei, als die Summe seiner Teile.

„Universität der Zukunft“
„Ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltig zu bauen“ lautete das Ziel des Bauherrn, der WU Wien, wo heute betont wird: „Wir haben nicht nur neue Gebäude errichtet, wir haben dabei auch Ideen umgesetzt, wie eine Universität der Zukunft aussehen kann.“ Daran knüpft der Vorstandsvorsitzende der MEA AG, Patrice Pélissier, an, der seinerseits stolz darauf ist, „unseren besonderen Beitrag zu diesem tollen architektonischen Gesamtwerk geleistet zu haben”.

Projektdaten Campus WU

Barrierefreies Green-Building-Konzept
Nutzfläche: 90.000 m²
Bebaute Fläche: 35.000 m²
Freie Fläche: 55.000 m²
Gebäudekomplexe: 6
Bruttogeschossfläche: 134.000 m²
Uni-Mitarbeiter: 1.500
Studierende: 25.000
Studentische Arbeitsplätze: 3.000
Öffentlich nutzbare Einrichtungen: Gastronomie, Supermarkt, Bäckerei, Buchhandlungen, Kindergarten, Sportzentrum, Eventbereiche

Planung und Ausführung

Generalplanung Teaching Center/Department 1:
BUSarchitektur ZT GmbH, A-1180 Wien, www.busarchitektur.com

Material Treppenanlagen:
MEA Metal Applications GmbH, D-86551 Aichach, www.mea-group.com
Feuerverzinkte Pressroste und Gitterroststufen „MEAstep XSL“

Ausführung und Herstellung Treppenanlagen:
Urbas Maschinenfabrik Ges.m.b.H, A-9100 Völkermarkt, www.urbas.at

Bilder: MEA

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