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Brandschutz ist in vielen Bereichen vorgeschrieben und durch Normen reguliert. Welche Anwendungen dies betrifft, welche Lösungen Vetrotech Saint-Gobain anbietet und wie das Unternehmen auf zahlreiche unterschiedliche Anforderungen reagiert, erläutert Ralf Linden, Director New Business Development der Vetrotech Saint-Gobain International AG, im Interview.

Paul & Henri Carnal Hall/Rolle CH. Foto: Olaf Rohl
Paul & Henri Carnal Hall/Rolle CH. Foto: Olaf Rohl

Redaktion: Herr Linden, zunächst einmal ganz grundsätzlich: In welchen Bereichen sind Brandschutzverglasungen sinnvoll?

Ralf Linden: Brandschutzverglasungen sind vor allen Dingen in Gebäudeinnenbereichen im Rahmen des passiven baulichen Brandschutzes zu finden, d.h. überwiegend in nicht tragenden inneren Wänden, die meist F30/EI30 oder F90/EI90 klassifiziert sind. Diese Wände begrenzen bzw. bilden definierte Brandabschnitte. Die Anforderungen werden in den Landesbauordnungen und in Richtlinien für Sonderbauten wie Hoch-, Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten etc. festgelegt. Das häufigste Einsatzgebiet für unsere Brandschutz-Sicherheitsgläser dürften aber bewegliche Brandschutztüren, sogenannte Feuerschutzabschlüsse sein, die als ein- und zweiflüglige, großflächig verglaste Elemente, eventuell sogar mit Seitenteilen und Oberlichtern, eine offene und moderne Architektur erlauben. Grundsätzlich ermöglichen diese feuerhemmenden, hochfeuerhemmenden oder gar feuerbeständigen Bauteile, dass natürliches Licht ins Gebäudeinnere einfallen kann und dennoch der Schutz von Personen und Sachwerten im Brandfall sichergestellt ist.

Redaktion: Stichwort Normen/Richtlinien: Was hat sich in den letzten zehn Jahren verändert und wie schätzen Sie die Entwicklung ein?

Ralf Linden: Wir haben aufgrund des EuGH-Urteils aus 2016 im Verfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland erlebt, dass europäisches Recht, d.h. das Bauproduktegesetz bzw. die Construction Product Regulation, kurz CPR, auch bei uns korrekt und ohne nationale Zusatzanforderungen auf Bauprodukte anzuwenden ist. Das EuGH-Urteil hat zu weitreichenden Änderungen im Baurecht geführt, die in Deutschland terminlich unter höchstem Druck bis Oktober 2017 umzusetzen waren. Wir haben zudem die Novellierung der Musterbauordnung und das Verschwinden der Bauregelliste mit den in Deutschland bis dato für Bauprodukte erforderlichen Ü-Kennzeichnungen erlebt. Ein neues umfangreiches Dokument, die Musterverwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen – kurz MVVTB – wurde völlig neu erarbeitet, umfasst mehr als 300 Seiten und ist seit letztem Jahr veröffentlicht. Mit den Orientierungen auf anwendungsbezogene anstatt auf bauproduktbezogene nationale Regelungen haben die Verantwortlichen einen sehr eleganten und pragmatischen Weg gefunden, europäisches Recht und deutsche Schutzanforderungen und -erfahrungen, die sich nicht alle vollständig in den europäischen Regelungen finden lassen, miteinander zu vereinbaren. Vor dem, was dort geschaffen wurde, habe ich großen Respekt.

Haus der Religionen/Bern CH. Foto: Olaf Rohl
Haus der Religionen/Bern CH. Foto: Olaf Rohl

 

Klar ist, dass allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen passé sind und wir uns an neue Begriffe wie die „Allgemeine Bauartgenehmigung“ gewöhnen müssen bzw. dass z.B. eine „Zustimmung im Einzelfall“ in Zukunft „Vorhaben bezogene Bauartgenehmigung“ heißen wird. Die CE-Markierung ist für harmonisierte Bauprodukte wie Fassaden und Außentüren auch mit Brandschutzeigenschaften bereits eingeführt – voraussichtlich im Februar 2019 wird die Veröffentlichung der Produktnorm für Innentüren mit Brandschutzeigenschaften, die prEN 14351-2, mit einer vermutlich dreijährigen Koexistenz-Periode erwartet. All das wird sicher zu weiteren Veränderungen im Sinne der CPR führen, d.h. zu einem vereinfachten Warenaustausch auch für Brandschutz- und Sicherheitsbauelemente in Europa – auch wenn allgemeine Bauartgenehmigungen für Brandschutzverglasungen bis auf weiteres vermutlich mangels Produktnorm erhalten bleiben werden.

Redaktion: Der Trend in der Architektur geht zu schlankeren Profilen: Was bedeutet dies für Brandschutzverglasungen?

Ralf Linden: Das heißt, dass man sich solchen Trends anpassen muss, da sonst die Gefahr besteht, irgendwann vielleicht nicht mehr wettbewerbsfähig zu sein. Ob der Trend zu schlankeren Profilen aber auch im Brandschutz weitergehen kann, wird sich zeigen. Wir sehen schon heute, dass es immer schwieriger wird, die „Physik zu überlisten“ und dass das Zusammenspiel von Glas und Konstruktion an technische Grenzen zu stoßen scheint. Hinzu kommt der Aspekt der Glastoleranzen bei heutiger Fertigungstechnik, die auch bei Nicht-Brandschutzanwendungen mit den herkömmlichen Technologien schwerer zu beherrschen sind und vielleicht ein völlig neues technologisches Konzept erfordern. Bei Vetrotech wurde aber schon immer gern „out-of-the-box“ gedacht und unsere breite Produktpalette hat uns oft geholfen, besondere Projekte und Lösungen zu finden, die die Marktbegleiter offensichtlich nicht realisieren konnten. Ich denke, wir sind für die aktuellen Trends in der Architektur gut gerüstet und in der Lage, mit der Unterstützung der starken Saint-Gobain- Entwicklungskompetenzen unsere Produkte stetig markt- und trendorientiert weiter zu entwickeln.

Redaktion: Wo können solche Verglasungen im Vergleich zu anderen Materialien gestalterische Akzente setzen?

Ralf Linden: Ich denke, Sie spielen hier auf ästhetische oder dekorative Sonderlösungen an, die sich mit unseren Brandschutz- und Hoch-Sicherheitsgläsern realisieren lassen. Die CONTRAFLAM-Produktfamilie zeichnet sich durch ihre nahezu uneingeschränkten Multifunktionsmöglichkeiten aus. Das heißt: Die auch brandschutztechnisch nachgewiesenen Kombinationen mit anderen Saint-Gobain Glass-Produkten oder ggf. auch mit Fremdprodukten sind ohne weiteres möglich. Dies ist ein wichtiger Vorteil und wir haben sehr schöne und spektakuläre Projekte realisiert, wie z.B. die Universität für Physik in Rostock, bei der Fotos bekannter Physiker und Physikerinnen direkt in die CONTRAFLAM-Gläser mittels Digitaldruck-Verfahren als sogenanntes CONTRAFLAM PICTUREit integriert wurden.

Redaktion: Wie lässt sich ein Brandüberschlag vermeiden?

Ralf Linden: Den Brandüberschlag und die -ausbreitung muss man dreidimensional sehen; im Gebäude spricht man vom vertikalen und horizontalen Brandüberschlag. Durch den gezielten Einsatz von Brandschutzverglasungen in Flurtrennwänden, Brandschutztüren oder Fassaden, z.B. in Gebäudeübereckbereichen, wird verhindert, dass ein Feuer auf horizontal benachbarte Brandabschnitte übergreift. Werden nur „normale“ Glasprodukte wie Floatglas, ESG oder VSG verwendet, besteht immer die Gefahr eines unmittelbaren oder eines eventuell zeitlich verzögerten Glasbruchs innerhalb weniger Minuten mit einem entsprechenden Verlust des Raumabschlusses. Der Weg für giftigen Rauch und Feuer wäre so frei und es käme zu einem Brandübertrag. Im Falle von VSG besteht unter Umständen die Gefahr einer Brandbeschleunigung, da die PVB-Folien einen eigenen und nicht zu vernachlässigenden Beitrag zum Brand leisten können. Außerdem besteht verstärkt die Gefahr von brennendem Abtropfen: 0,76 mm PVB-Folie bedeuten immerhin 0,76 Liter eingebetteter Kunststoff pro Quadratmeter Verglasung.

Brandschutzverglasungen zeichnen sich eben dadurch aus, selbst bei integrierten VSG-Gläsern, dass auf der vom Brand abgekehrten Seite, der sogenannten Schutzseite, die Verglasung immer intakt bleibt. Der Raumabschluss und der Schutz vor Wärmestrahlung, Temperaturerhöhung und Brandübertragung bleiben bei fachgerechter Ausführung also vollständig erhalten. Gleiches gilt auch für den vertikalen Brandüberschlag, den wir in Fassaden oder in Atrienverglasungen kennen. Hier ist das Schutzziel das Verhindern einer Brandausbreitung von einem Geschoss auf die darüber liegende Nutzungseinheit.

Redaktion: Welche Spezialgläser für besondere Anforderungen bietet Vetrotech neben den Hochsicherheits- und Brandschutzverglasungen an?

Ralf Linden: Neben den bekannten Brandschutzgläsern wie CONTRAFLAM und PYROSWISS und den Hochsicherheitsgläsern VETROGARD und POLYGARD sind dies z.B. transparente, beheizbare Gläser wie THERMOVIT und THERMOVIT ELEGANCE. Hinzu kommen Produkte, die die Flugsicherheit erhöhen, indem sie helfen, Radardoppelbilder zu vermeiden. Dazu zählen CONTRARADAR oder auch CONTRARADAR EMS, das elektromagnetische Strahlung abschirmt und damit hilft, ein mögliches Ausspionieren von Computerdaten zu vermeiden.

Forbury Place/Reading UK. Foto: Sean Conboy
Forbury Place/Reading UK. Foto: Sean Conboy



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